Blitzschutz

Blitzschutzklassen I bis IV: welche für welches Gebäude gilt

· Elektro iCheck

Zwei Blitzschutzanlagen können auf dem Dach fast gleich aussehen und trotzdem völlig unterschiedlich viel leisten. Der Unterschied steckt in der Blitzschutzklasse. Sie legt fest, wie eng das Netz auf dem Dach geknüpft wird, gegen welche Blitzströme geschützt wird und wie oft geprüft werden muss.

Die Norm DIN EN 62305 kennt vier Klassen, von I bis IV. Klasse I ist die strengste, Klasse IV die einfachste.


Die vier Klassen im Vergleich

MerkmalKlasse IKlasse IIKlasse IIIKlasse IV
Blitzkugelradius20 m30 m45 m60 m
Maschenweite5 × 5 m10 × 10 m15 × 15 m20 × 20 m
Abstand der Ableitungen10 m10 m15 m20 m
Sichtprüfungjährlichjährlichalle 2 Jahrealle 2 Jahre
Umfassende Prüfungalle 2 Jahrealle 2 Jahrealle 4 Jahrealle 4 Jahre

Die Zahlen wirken abstrakt, haben aber eine sehr praktische Bedeutung. Bei Klasse I liegt auf dem Dach ein Netz mit fünf Metern Maschenweite und alle zehn Meter geht eine Ableitung nach unten. Bei Klasse IV sind es zwanzig Meter Maschenweite und zwanzig Meter Abstand. Das ist auf einem größeren Gebäude ein Unterschied von mehreren Ableitungen und einigen hundert Metern Leitung.

Was der Blitzkugelradius bedeutet

Der Blitzkugelradius ist die wichtigste Zahl in der Tabelle, weil an ihm die gesamte Planung der Fangeinrichtung hängt.

Die Vorstellung dahinter: Man lässt gedanklich eine Kugel mit dem angegebenen Radius über das Gebäude rollen. Überall, wo sie die Gebäudeoberfläche berühren würde, ist ein Einschlag möglich. Dort muss eine Fangeinrichtung hin, damit die Kugel nur noch Fangstangen und Fangleitungen berührt, nicht das Dach selbst.

Je kleiner der Radius, desto tiefer taucht die Kugel zwischen Dachaufbauten ein und desto mehr Stellen werden erreichbar. Bei 20 Metern kommt sie in Bereiche, die bei 60 Metern völlig unerreichbar bleiben. Deshalb braucht Klasse I deutlich mehr Fangstangen als Klasse IV.

Das Blitzkugelverfahren ist der Stand der Technik. Es gibt daneben das Maschen- und das Schutzwinkelverfahren, die für einfache Geometrien zulässig sind. Was es nicht gibt, ist das Setzen von Fangstangen nach Augenmaß, auch wenn das Ergebnis auf dem Dach ähnlich aussieht.

Welche Klasse für welches Gebäude

Die Klasse wird nicht frei gewählt, sie ergibt sich aus einer Risikoanalyse nach DIN EN 62305-2. Die Analyse rechnet mit der Blitzdichte am Standort, der Größe und Höhe des Gebäudes, seiner Bauart, seiner Nutzung und den Folgen, die ein Schaden hätte.

In der Praxis laufen die Ergebnisse ziemlich verlässlich auf folgende Zuordnung hinaus:

  • Klasse I: Gebäude, bei denen ein Schaden weit über das Gebäude hinaus wirkt. Betriebe mit explosionsgefährdeten Bereichen, Chemieanlagen, Kernanlagen, Krankenhäuser mit kritischer Versorgung, Rechenzentren mit hoher Verfügbarkeitsanforderung.
  • Klasse II: Museen, Schulen, größere Versammlungsstätten, Produktionsbetriebe mit empfindlicher Fertigung, Gebäude mit hohem Sachwert.
  • Klasse III: der übliche Fall. Wohnhäuser, Bürogebäude, normale Gewerbebauten, landwirtschaftliche Gebäude.
  • Klasse IV: Gebäude mit geringem Risiko und geringem Wert. Einfache Lagerhallen, Betriebsgebäude ohne wertvollen Inhalt.

Wenn du ein Einfamilienhaus hast, lautet die Antwort fast immer Klasse III. Das ist keine Vermutung, sondern das übliche Ergebnis der Analyse für ein Wohngebäude in normaler Lage.

Wie sicher ist eine Klasse?

Keine Blitzschutzanlage fängt jeden Blitz. Die Norm gibt für jede Klasse eine Wahrscheinlichkeit an, mit der ein Einschlag von der Fangeinrichtung abgefangen wird statt am Gebäude einzuschlagen.

Bei Klasse I liegt dieser Wert bei rund 99 Prozent, bei Klasse II bei etwa 97, bei Klasse III bei etwa 91 und bei Klasse IV bei etwa 84 Prozent.

Das erklärt auch, warum die Klasse nicht nur eine Frage des Geldes ist. Bei einem Wohnhaus sind 91 Prozent ein sehr guter Wert, gemessen daran, wie selten überhaupt ein Einschlag erfolgt. Bei einem Betrieb mit Gefahrstofflager wären dieselben 91 Prozent nicht vertretbar, weil die verbleibenden 9 Prozent eine andere Konsequenz haben.

Was das für Angebote bedeutet

Die Blitzschutzklasse ist der Punkt, an dem sich zwei Angebote für dasselbe Gebäude erheblich unterscheiden können, ohne dass eines davon falsch wäre. Ein Anbieter rechnet Klasse III, ein anderer Klasse II, und schon liegen mehrere tausend Euro dazwischen.

Deshalb gilt: In einem ordentlichen Angebot steht die Blitzschutzklasse drin, und es steht dabei, worauf sie sich stützt. Fehlt sie, ist unklar, was du eigentlich kaufst, und ein Preisvergleich ist nicht möglich.

Was ebenfalls hineingehört, ist das gewählte Verfahren für die Fangeinrichtung. Wie sich das im Gesamtpreis auswirkt, steht im Artikel Was kostet eine Blitzschutzanlage.

Die Klasse bestimmt auch die Folgekosten

Ein Punkt, der bei der Entscheidung oft untergeht: Die Klasse legt die Prüfintervalle für die gesamte Lebensdauer der Anlage fest.

Klasse II bedeutet eine Sichtprüfung jedes Jahr und alle zwei Jahre eine umfassende Prüfung mit Messung. Klasse III bedeutet alle zwei beziehungsweise alle vier Jahre. Über dreißig Jahre gerechnet ist das ungefähr die doppelte Anzahl an Prüfterminen.

Bei einem Gewerbebetrieb, wo die Prüfung nach Aufwand abgerechnet wird, summiert sich das. Es ist kein Grund, eine zu niedrige Klasse zu wählen, aber es ist ein Grund, die Analyse ernst zu nehmen statt auf Verdacht eine Klasse höher zu gehen. Was bei der Prüfung passiert, steht im Artikel Blitzschutzprüfung: Fristen und Ablauf.

Kurz zusammengefasst

Die Blitzschutzklasse entscheidet über Maschenweite, Zahl der Ableitungen, Blitzkugelradius und Prüfintervalle. Für Wohnhäuser ist Klasse III der Normalfall, Klasse I und II sind Sonderbauten und Betrieben mit besonderem Risiko vorbehalten. Welche Klasse gilt, ermittelt eine Risikoanalyse nach DIN EN 62305-2, und diese Angabe gehört in jedes Angebot.

Wir führen die Risikoanalyse für Bauherren und Betriebe im Raum Nürnberg durch und sagen auch, wenn eine niedrigere Klasse ausreicht. Erreichbar unter 0911 / 931 696 49 oder über unsere Seite zum Blitzschutz in Nürnberg.

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